5. Mai, 18.00 Uhr und 26. Mai, 16.00 Uhr, Zeughauskino

WINIFRED WAGNER UND DIE GESCHICHTE DES HAUSES WAHNFRIED VON 1914-1975
BRD 1975, R/B: Hans Jürgen Syberberg K: Dietrich Lohmann, 300‘, 16mm

Es beginnt mit Bildern des zerstörten Hauses Wahnfried und einem einleitenden Text des Regisseurs. Dann erhält Winifred Wagner das Wort. Es folgen fünf Stunden, in denen Winifred ihre Lebensgeschichte erzählt und ihre persönliche Sichtweise auf die Geschichte Bayreuths im Nationalsozialismus darlegt. Durch Vermittlung von Wagners Urenkel Gottfried erhielt Hans Jürgen Syberberg im Jahr 1975 die Gelegenheit zu einem ausgedehnten Interview mit Winifred Wagner, der Witwe von Wagners Sohn Siegfried und Leiterin der Bayreuther Festspiele von 1930 bis 1949. Fünf Tage lang zeichnete Syberberg Winifreds Monologe mit Kamera und Tonband auf. Nach Durchsicht des Materials entschied er sich, das Interview so zu präsentieren, wie es gefilmt wurde, in streng chronologischer Reihenfolge. Was auf den ersten Blick wie ein sprödes Experiment anmutet, gewinnt mit zunehmender Dauer eine eigentümliche Dynamik und Spannung. Die uneingeschränkte Bewunderung, mit der Winifred von Adolf Hitler spricht, den sie liebevoll „Wolf“ nennt, wirkt hochgradig irritierend, vermittelt aber zugleich eine Ahnung von der Faszination, die Hitler bei seinen Zeitgenossen hervorrufen konnte. Von der zeitgenössischen Kritik wurde Syberberg die scheinbar distanzlose Haltung seines Filmes vorgeworfen, der zu einer „Mystifizierung der Zeitzeugin“ (Gottfried Wagner) und zur Verfestigung ihres Mythos beigetragen habe. Aus heutiger Sicht ist aber gerade dies der interessanteste Aspekt des Films: In der Art, wie sich Winifred vor der Kamera inszeniert, vermittelt sie einen tiefen Einblick in die Mechanismen, die den Mythos Bayreuth konstituieren. (stv)