16. Mai, 20.00 Uhr und 18. Mai, 18.30 Uhr, Zeughauskino
„Leg ´ne Platte auf: schön laut!“ – Richard Wagner im Experimentalfilm

UN CHIEN ANDALOU (Ein andalusischer Hund)
F 1929, R: Luis Buñuel, B: Luis Buñuel, Salvador Dalí, 16’, 35mm

YŪKOKU (Patriotismus)
J 1966, R/B:Yukio Mishima, K: Watanabe Kimo, D: Yukio Mishima, Yoshiko Tsuruoka, 29‘, DVD, OmeU

JAN-KEN-PON-SENSŌ (Der Jan-Ken-Pon-Krieg)
J 1971, R/B: Shūji Terayama, 15‘, 16mm, OF

KONIEC (The End)
PL 2009, R: Agnieszka Pokrywka, 9’, DVD

SORROWS
USA 1969, R: Gregory J. Markopoulos, 6’, 16mm

DAS KLEINE CHAOS
BRD 1967, R/B: Rainer Werner Fassbinder, D: Rainer Werner Fassbinder, Marite Greiselis, Christoph Rose, Lilo Pempelt, Irm Hermann, 9’,35mm

Die Uraufführung des surrealistischen Kurzfilms UN CHIEN ANDALOU, die am 6. Juni 1929 stattfand, kann als Pioniertat der DJ-Kunst bezeichnet werden. Parallel zur Projektion ihres Films legten Luis Buñuel und Salvador Dalí in einer Art Happening Schallplatten auf, wobei sie abwechselnd eine Aufnahme des „Liebestods“ aus „Tristan und Isolde“ und eine Platte mit argentinischen Tangos verwendeten. Auch in dem Kurzfilm YŪKOKU des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima, der den rituellen Selbstmord durch Bauchaufschlitzen in Szene setzt, erklingt als Hintergrundmusik eine Schallplattenaufnahme des „Liebestods“. Während Mishima die pathetische Qualität von Wagners Musik zur Überhöhung des ‚ehrenvollen‘ Soldatentods nutzt, dient in Shūji Terayamas Kurzfilm JAN-KEN-PON-SENSŌ die Verwendung von Ausschnitten aus der Ouvertüre zum „Fliegenden Holländer“ dem Zweck, beim Publikum die Assoziation des deutschen Faschismus hervorzurufen. Man kann Wagners Musik auch rückwärts laufen lassen. Dieses Experiment unternimmt die polnische Regisseurin Agnieszka Pokrywka in ihrem Kurzfilm KONIEC, in dem sie mit montierten Dokumentarbildern die Geschichte des Zweiten Weltkriegs von ihrem Ende her erzählt. Gregory Markopoulos schuf 1969 ein lyrisches Porträt von Wagners Villa in Triebschen, unterlegte den Film allerdings mit Beethovenmusik (SORROWS). Die Erfahrung, dass Beethoven erklingt, wo man Wagner erwartet, macht auch Rainer Werner Fassbinder in dem Gangsterfilm DAS KLEINE CHAOS aus dem Jahr 1967. (stv, kj)

DJ-Begleitung zu Un chien andalou: PhonoKlangGalerie