26. April, 18.30 Uhr, Zeughauskino
Sichtbare Klänge – Werner Herzog trifft auf den „nicht ganz absoluten Film“

ZWEI FARBEN
D 1933, R: Wolfgang Kaskeline, 3', 35mm

ALLE KREISE ERFASST TOLIRAG
D 1934, R: Oskar Fischinger, 2’, 35mm

SYNCHROMY NO. 2
USA 1935, R: Mary Ellen Bute, Ted Nemeth, 6', DVD, OF

THE PRELUDE AND LIEBESTOD FROM “TRISTAN AND ISOLDE” BY RICHARD WAGNER
USA 1977, R: Ron Hays, 22’, DVD

LEKTIONEN IN FINSTERNIS
D/F/GB 1992, R: Werner Herzog, B: Werner Herzog, K: Paul Beriff, Simon Werry, Rainer Klausmann, Sprecher: Werner Herzog, 52', 35mm, DF

Die Musik Richard Wagners, die zwischen pointierten Motiven und fließenden Melodien changiert, scheint für abstrakte Visualisierungen besonders geeignet zu sein. Zwei aufregende Farb-Klang-Experimente der 1930er Jahre wurden als Werbefilme realisiert: Wolfgang Kaskelines ZWEI FARBEN wirbt für Muratti Zigaretten, Oskar Fischingers KREISE entstand für die Werbefirma Tolirag. Geometrische Formen und leuchtende Farben geben Melodie, Rhythmus und Instrumentierung unmittelbar Ausdruck. Mary Ellen Bute und Ted Nemeth übertrugen Wagners „Lied an den Abendstern“ aus „Tannhäuser“ in ihrer SYNCHROMY NO. 2 mithilfe beleuchteter Glaskörper in Bilder voller Feierlichkeit und Tiefe. Über 40 Jahre später setzte der Multimedia-Künstler und Special Effect Artist Ron Hays Computertechnik ein, um Wagners Musik in bewegte Bilder zu übertragen. Hays, der wiederholt mit Leonard Bernstein zusammen gearbeitet hat und an der Science Fiction Serie LOGAN’S RUN beteiligt war, visualisiert den „Liebestod“ als eine Art kosmischen Flug durch Raum und Zeit. Auch Werner Herzog erweckt mit seinem Film LEKTIONEN IN FINSTERNIS zuweilen den Eindruck eines Science Fiction Films. Er zeigt apokalyptische Bilder aus Kuwait nach dem ersten Golfkrieg. Kameraflüge über brennende Ölfelder unterlegt er mit dem „Rheingold“-Vorspiel, „Siegfried's Trauermarsch“ oder Mahlers „Urlicht“ und erzeugt so eine pathetisch aufgeladene Atmosphäre. (kj)

Einführung: Daniel Kothenschulte