12. Mai, 18.00 Uhr, Zeughauskino

LUDWIG – REQUIEM FÜR EINEN JUNGFRÄULICHEN KÖNIG
BRD 1972, R/B: Hans Jürgen Syberberg, K: Dietrich Lohmann, D: Harry Baer, Ingrid Caven, Anette Tirier, Peter Kern, 140‘, 35mm

Susan Sontag sagte über ihn, er sei „ein großer Wagnerianer, der größte seit Thomas Mann“ (Susan Sontag: „Syberbergs Hitler“). Tatsächlich hat sich Hans Jürgen Syberberg so eingehend und vielfältig mit Richard Wagner auseinander gesetzt wie kaum ein anderer Filmemacher. In demselben Jahr, in dem Visconti LUDWIG II. dreht, entsteht auch Syberbergs biografische Annäherung an den Bayernkönig. Sein Ludwig wird selbst zur Gestalt einer Wagner-Oper, eine unschuldige, reine Figur, vergleichbar etwa mit Lohengrin oder Parsifal. Wagner hingegen wird zweifach verkörpert, als hässlicher Zwerg – ein Salto schlagender Possenreißer –, und als androgyne Frau – reflektierend, weissagend wie eine Norne. Der Film arbeitet mit zahlreichen Stilisierungen, Wagners Bühnenbilder werden als Kulissen genutzt, die Kamera bleibt oft statisch. Die deutsche Geschichte wirft ihre Schatten voraus, wenn Hitler am Ende als Alptraum Ludwigs erscheint und eine Rumba tanzt. Die Person Wagners wird damit bereits abgelöst und übermalt. (kj)

zu Gast: Hans Jürgen Syberberg