19. Mai, 20.30 Uhr, Zeughauskino

LUDWIG II.
BRD 1955, R: Helmut Käutner, B: Georg Hurdalek, K: Douglas Slocombe, D: O.W. Fischer, Ruth Leuwerik, Marianne Koch, Paul Bildt, Klaus Kinski, 114‘, 35mm

Die schwärmerische Zuneigung, die Ludwig II. Richard Wagner entgegenbrachte, hat dem Bayreuther Meister auch im Kino zum Vorteil gereicht, denn im Rahmen der biografischen Filme über den bayerischen König konnte sich auch Wagner als Filmfigur etablieren. Die Rollen sind dabei klar verteilt: Enttäuscht vom Zynismus der Tagespolitik flüchtet sich Ludwig in die narkotische Traumwelt von Wagners Opern, bis er erkennen muss, dass auch dieser vermeintliche Freund ihn verrät. Als Gegenpart Ludwigs wird Richard Wagner dabei, je nach Geschmack des Regisseurs, wahlweise als zynischer, selbstverliebter, geldgieriger, herrschsüchtiger, dandyhafter, gockelnder, gelegentlich auch väterlicher Nutznießer von Ludwigs Kunstschwärmerei dargestellt, immer aber als ein opportunistischer Gauner, der ausschließlich die eigenen Interessen im Sinn hat. Die Darstellung Wagners durch den Schauspieler Paul Bildt in Käutners Film ist ein gutes Beispiel für dieses Muster, wobei Bildt die Rolle absichtsvoll bis an die Grenze zur karikaturhaften Überzeichnung ausreizt. Aus dem Reigen der Ludwig-Filme sticht Käutners Film insofern hervor, als für den Soundtrack fast ausschließlich Wagner-Musik eingesetzt wurde. Die Einspielungen besorgte Herbert von Karajan mit den Wiener Philharmonikern. Das Pathos von Wagners Musik trägt seinen Teil dazu bei, dass Käutners biographischer Bilderbogen stellenweise wie eine Heiligengeschichte anmutet. (stv)

Musikalische Einführung: Kevin McCutcheon, Korrepetitor und Dirigent an der Deutschen Oper Berlin