25. Mai, 21.00 Uhr und 28. Mai, 20.00 Uhr, Zeughauskino

MING GREEN
USA 1966, R: Gregory J. Markopoulos, 7‘, 16mm

DUETT FÖR KANNIBALER (Duett für Kannibalen)
S 1969, R/B: Susan Sontag, K: Lars Swanberg, D: Adriana Asti, Gösta Ekman, Lars Ekborg, Agneta Ekmanner, 105', 35mm, OmeU

Als die amerikanische Autorin Susan Sontag 1969 ihren ersten Spielfilm auf dem Filmfestival von Cannes präsentierte, war die Neugier groß. Würde sie, ähnlichen wie die ehemaligen Redakteure der „Cahiers du Cinéma“ François Truffaut und Jean-Luc Godard, dauerhaft von der Kritikerseite zu den Filmschaffenden wechseln? In dem in Schweden realisierten Film geben ein deutscher Linksintellektueller und seine italienische Frau die „Kannibalen“, die ein junges Paar in einen Strudel emotionaler Verwicklungen stürzen. Partner werden getauscht, Perücken ausprobiert, Bärte angeklebt und Gesichter mit Mullbinden verpackt. Alles scheint nur ein Spiel zu sein, und doch geht es um existenzielle Fragen, um Liebe und Tod. Susan Sontag verwendet in ihrem Film mehrfach als musikalisches Motiv den Tristanakkord aus „Tristan und Isolde“. In einer Analyse dieses Musikdramas schreibt sie: „Leidenschaft bedeutet eine gesteigerte Passivität. Das eigentliche Thema ist die Kapitulation des Bewusstseins selbst.“ Die Liebenden verschmelzen bei Wagner nicht einfach miteinander: „Der unausweichliche nächste Schritt ist die Vernichtung des Selbst, des Geschlechts, der Individualität.“ (Sontag, „Wagners Flüssigkeiten“). In DUETT FÖR KANNIBALER wird diese Möglichkeit erfahrbar. (kj)

Musikalische Einstimmung: Vera Maria Kremers (Gesang) und Heinz Chen (Klavier)
zu Gast am 25. Mai: Robert Beavers
Einführungen: Kristina Jaspers