2. Mai, 20.00 Uhr, Zeughauskino

HUMORESQUE (Humoreske)
USA 1946, R: Jean Negulesco, B: Clifford Odets, Zachary Gold, K: Ernest Haller, D: Joan Crawford, John Garfield, Oscar Levant, Joan Chandler, Paul Cavanagh, 125‘, 16mm, OF

„Mr. Boray is going to play for us his own transcription of the ‘Love Music’ from Richard Wagner‘s opera ‘Tristan and Isolde‘.“ Als im Radio ein Konzert ihres Geliebten, des Geigers Paul Boray, angekündigt wird, steht Helen Wright allein im Salon ihrer luxuriösen Strandvilla auf Long Island. Sie schenkt sich einen Drink ein. „Here’s to love“ flüstert sie, und die Tränen rinnen ihr über die Wangen. Die Musik beginnt, und Helen tritt ans Fenster. Dann geht sie zum Strand hinunter. Es ist dunkel. Nur ein Mann mit einem Hund ist dort unterwegs. Man sieht die Wellen ans Ufer schlagen... Die dramatische Inszenierung von Helens „Liebestod“ bildet den Höhepunkt dieses Künstlermelodrams aus dem Jahr 1946. Der mit Ausnahme der hochdramatischen Schlussszene eher konventionell erzählte Film schildert die Lebensgeschichte eines aus einfachen Verhältnissen zum gefeierten Virtuosen aufsteigenden Musikers. Als sich die Ehefrau seines Mäzens in ihn verliebt, findet er sich in einen Loyalitätskonflikt gestellt, der in Grundzügen an die Situation Tristans erinnert. Joan Crawford erscheint in der Rolle der Helen als alkoholsüchtige Nachtgestalt, schwankend zwischen Traum und Tod – und darin ansatzweise wagnerschen Frauenfiguren vergleichbar, deren Selbstopfer die Erlösung des Geliebten ermöglicht. Die Arrangements klassischer Musikstücke, die in diesem Film zu hören sind, steuerte der Komponist Franz Waxman bei, der mit Scores zu Filmen wie REBECCA (USA 1940) und SUNSET BOULEVARD (USA 1950) dazu beigetragen hat, den spätromantischen Orchesterklang als gängige musikalische Norm im Hollywoodkino der 1930er und 1940er Jahre zu etablieren. Großen Realismus erreicht der Film dadurch, dass für die Einstellungen, die Boray beim Geigenspiel zeigen, Nahaufnahmen der Hände Isaac Sterns benutzt wurden. (stv)

Einführung: Frank Strobel