4. Mai, 18.30 Uhr und 8. Mai, 20.00 Uhr, Zeughauskino

DER FLIEGENDE HOLLÄNDER
DDR 1964, R: Joachim Herz, B: Joachim Herz, Harald Horn, K: Erich Gusko, D: Fred Düren, Anna Prucnal, Gerd Ehlers, Herbert Graedtke, Mathilde Danegger, 101‘, Aufführung der 35mm Magnettonkopie

Diese DEFA-Produktion aus dem Jahr 1964 stellt den solitären Versuch dar, eine Wagneroper nicht einfach abzufilmen, sondern sie mit filmischen Mitteln zu erzählen. Joachim Herz entwickelt die Handlung konsequent aus der Perspektive Sentas, die er als einen gegen die Enge ihres gesellschaftlichen Milieus aufbegehrenden Teenager darstellt. Der Holländer erscheint als Produkt von Sentas Fantasie, als sublime Manifestation ihrer mädchenhaften Sehnsucht nach Emanzipation und Freiheit. Den Unterschied zwischen der realen Welt und Sentas Fantasiewelt markiert Herz, indem er unterschiedliche Bildkaschierungen einsetzt. Auch andere Regieeinfälle, etwa das gelegentliche Auseinanderlaufen von Ton- und Bildebene, wirken überraschend experimentell. Visuell orientiert sich der in Schwarzweiß gedrehte Film an der Tradition des expressionistischen deutschen Stummfilms der 1920er Jahre. Deutlich spürbar ist der Einfluss von F. W. Murnaus Filmklassiker NOSFERATU in einzelnen Szenen und Einstellungen, die auf dem Schiff des Holländers spielen – was durchaus Sinn macht: Ebenso wie Wagners „bleicher Seemann“ kann auch der Vampir als Verkörperung des romantischen „Weltschmerzhelden“ (Hans Mayer) gedeutet werden. (stv)

Einführung am 4. Mai: Kristel Pappel
Einführung am 8. Mai: Steffen Vogt