31. Mai, 19.00 Uhr, Zeughauskino

A DANGEROUS METHOD (Eine dunkle Begierde)
GB/D/CDN/CH 2011, R: David Cronenberg, B: Christopher Hampton, John Kerr, K: Peter Suschitzky, D: Keira Knightley, Viggo Mortensen, Michael Fassbender, Vincent Cassel, 100', 35mm, OF

Cronenbergs Spielfilm erzählt eine komplexe Dreiecksgeschichte zwischen dem jungen Arzt C.G. Jung und seiner Patientin Sabina Spielrein einerseits und dem Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud andererseits. Wie Leitmotive durchziehen die Themen Inzest und Vatermord den Film. Der Stoff basiert auf Tatsachen, ausführlich wird aus dem Briefwechsel und den Tagebüchern der Protagonisten zitiert. Das Theaterstück „The Talking Cure“ von Christopher Hampton bildet die Vorlage, und tatsächlich werden wie in einem verdichteten Kammerspiel die widersprüchlichen persönlichen und beruflichen Interessen in ihrer Komplexität spannungsreich offengelegt. Es ist „eine Geschichte von Gewalt, von Dominanz, von Qual und Selbstqual, ersehnter Züchtigung“ (Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung, 10.11.2011). Ausgelebte und verdrängte Obsessionen werden nicht allein abstrakt interpretiert sondern auch durchlitten. Jung muss sich von Freud, Spielrein sich von Jung emanzipieren. Vielfältige Wagner-Bezüge spielen hinein: Spielrein und Jung spiegeln sich im Inzestpaar Siegmund und Sieglinde, während Jung sich zugleich mit Siegfried identifiziert, und den Patienten der psychiatrischen Klinik wird die „Walküre“ als Therapie verordnet. Dies alles hat der mehrfache Oscar-Preisträger Howard Shore zu einem hochkomplexen Score verwoben, in dem er unter anderem aus Wagners „Siegfried“ zitiert und für Lang Lang das „Siegfried-Idyll“ neu arrangiert hat. (kj)

Einführung: Marcus Stiglegger