15. Mai, 20.00 Uhr, Zeughauskino

BLACK MOON
F/BRD 1975, R: Louis Malle, B: Louis Malle, Ghislain Uhry, Joyce Buñuel (Dialoge), K: Sven Nykvist, D: Therese Giehse, Cathryn Harrison, Joe Dallesandro, Alexandra Steward, 100', 35mm, DF

Therese Giehse liegt im Bett und brabbelt in einer Phantasiesprache vor sich hin, während im Garten auf einer Leiter Joe Dallesandro steht und das Preislied aus den „Meistersingern“ schmettert. Somnambul bewegt sich das Mädchen Lily (Cathryn Harrison) durch eine Welt voller Einhörner, sprechender Ratten und tanzenden Göttern. „Ich wollte mit Träumen und freien Assoziationen arbeiten. Dann dachte ich, vielleicht ist das die Gelegenheit, etwas zu machen, was mir schon lange vorschwebte – etwas was filmisch dem automatischen Schreiben des Surrealismus entsprechen würde.“ („Louis Malle über Louis Malle“). Malles Drehbuch lag bei Drehbeginn nur in Teilen vor. Er improvisierte am Set, verschmolz Elemente aus „Alice im Wunderland“ mit Bildern aus der indischen Mythologie und führt final in ein von Kindern gesungenes, sich endlos steigerndes „Tristan-Duett“. Es ging Malle um die Darstellung der „Emotionen und Ängste der Pubertät“ (ebd.). Lily gleitet durch ein fremdes Wunderland, in dem offensichtlich eine Art Bürgerkrieg herrscht, und es bleibt offen, ob es sich um die unverständliche Welt der Erwachsenen oder um Projektionen ihres Unbewussten handelt. Der Film entstand auf Malles eigenem Anwesen, Sven Nykvist tauchte die Winterlandschaft und Interieurs in ein verzaubertes, melancholisches Licht. (kj)

Einführung: Kristina Jaspers